Limonade enthält meistens Zucker. Das mag ungesund sein, schmeckt aber besser. Auch das in Brooklyn ansässige Trio Callan Clendenin, Ben Steidel und Alex Pasternak dürfte sich dessen bei der Namenswahl seines Projekts bewusst gewesen sein. Und Lemonade klingen durchaus süßlich, mit Clendenins schmachtenden Boygroup-Tenor und digitalen Anleihen bei Eurodance, R&B, aber ebenso hörbaren Einflüssen von 2Step. Einen ähnlichen Ansatz hatten einst auch die Junior Boys verfolgt, doch Lemonade haben hörbar weniger Angst davor, dorthin zu gehen, wo es ein wenig weh tun kann. Das tun sie dafür so formvollendet, dass man ein Wort wie Kitsch höchstens als Ehrbezeichnung verwenden möchte. Denn wo die Junior Boys mit Flüstergesang und Zurückhaltung für sich einnehmen, stürmen Lemonade entschlossen nach vorn, ohne jemals nach Eurotrash zu klingen – dazu ist ihre Produktion viel zu avanciert und die Mischung der einzelnen Stilzutaten viel zu filigran. Ihre gelegentlich verwaschenen Synthesizer lassen eine gewisse Nähe zu Chillwave erkennen, insgesamt jedoch überwiegt bei Lemonade eine klare digitale Produktion. Am Ende ist es einfach großer, fast klassischer Synthiepop, der diesen Sommer in voller Blüte stehen dürfte, und uns hoffentlich danach noch eine Weile erhalten bleiben wird.

 


Stream: LemonadeSoftkiss