Jerome Sydenham aus New York ist für seine eigenen Produktionen genauso bekannt, wie für die mit Kerri Chandler, Dennis Ferrer oder Hideo Kobayashi produzierten House-Tracks. In Europa erregte er ab 2003 mit den Hits „Sandcastles“ und „Timbuktu“ aufsehen. Diese Stücke waren für Sets von Ricardo Villalobos genauso essentiell wie sie das Sound-Verständnis der Rhein-Main-Posse mitprägten. In seinem elektrisierenden Signature-Groove hatte Sydenham eine spezielle Ununterscheidbarkeitszone zwischen Techno und House gefunden. Seine harten, überwältigenden, spröden Beats sind doch alles andere als kühl und distanziert. Trotz ihrer Gefasstheit kocht in ihnen die Sehnsucht und Lebensgier über. Auf seinem neuen Album kommt das unnachahmliche Jerome Sydenham-Gefühl schon nach weniger Sekunden zum Ausdruck: mitreißend, betörend, ohne brachial oder schwitzig zu sein. Die Schwäche des Albums liegt im Konzept, gängige Club-Sounds Track für Track abzugehen: so gibt es die Acid-Nummer, die Larry Heard-Hommage, den Knights-Of-The-Jaguar-Nod, die Discohouse-Nummer. (Discohouse meint da eher Nick Holder 1997 als Visionquest 2012.) Die jeweiligen Stile werden der Reihe nach aufgerufen und mit den typischen Halleffekten in Sydenhams Klangkosmos übertragen. Mehr Vertrauen in die Effektivität der eigenen Grooves hätte Animal Social Club gut getan. Trotzdem gelingt es niemanden so wie Sydenham eine Party im brodelnden Krater eines Vulkans zu feiern und dabei völlig strukturiert und klar zu bleiben.