Ist die Kunstform des Albums eigentlich noch zeitgemäß? War sie es in den vergangenen 20 Jahren irgendwann noch einmal? Selten in der elektronischen Musik. Insbesondere die Club-Musiken gingen das Album zumeist als Lösung, oder besser solution, eines medialen Problems an (oder besser: einer medialen Herausforderung). Cooly G zum Beispiel veröffentlicht jetzt Playin’ Me. Sie ist jetzt einfach soweit. Merrisa Campbell hat als Wunderkind von sich reden gemacht, die schon als Teenager superfunky war, weil sie nach der musikalischen Früherziehung in Papas Studio das Produzieren und Auflegen lernte. Dann machte sie Tracks, ging durch die Fachpresse, ihr kam die Ehre zuteil, auf Hyperdub veröffentlichen zu können, und schließlich: Sounds für die Tate Gallery, Welttour. Und das als Frau im männerzentrierten Hardcore Continuum! Cooly G bekam ein Kind und legte eine Pause ein. Nun ist sie also zurück. Das Cover von Playin’ Me zeigt folglich keine posende Baseball-Jacken-Trägerin, sondern den Kopf einer jungen Frau: Neustart für Cooly G. Und es kickt. In „It’s Serious“ legen sich Schichten aus Percussion übereinander, dass eine Riesendynamik aufgeht. Das Stück spielt mit depperten Drum-Sounds, auch der Titeltrack lässt die Bassline anständig sägen. Nur sind ein paar Tracks dabei, die unter Album-Konzept-Verdacht fallen: es geht nicht auf, wenn Cooly G Atmos einstreut, und ihre Stimme ist auf Dauer auch etwas eintönig. Vielleicht hätte es dem Album gut getan, mit Gastsängerinnen und -sängern zu arbeiten. Als Fundus natürlich trotzdem großartig. Die solution für die Album-Herausforderung gelingt Cooly G jedoch nicht.

 


Video: Cooly GLandscapes (feat. Simbad)