Kouhei Matsunaga treibt sich schon geraume Zeit im Feld zwischen experimentellerem Techno und Industrial herum. Er hat mit Sean Booth von Autechre zusammen gearbeitet, mit Sensational sowie mit Merzbow. Er hat Platten auf Mille Plateaux, Skam, Raster-Noton und Wordsound veröffentlicht. Darum sollte Dance Classics Vol.1, sein neues Vinyl-Album auf dem exzellenten PAN-Label nicht überraschen. Dass es das dennoch tut, hängt mit PAN zusammen, die für das extremere Ende elektronischer Musik stehen. Der Titel ist natürlich ironisch zu verstehen, aber Dance Classics Vol.1 ist schon sehr zugänglich. Es erinnert sehr an frühe IDM, speziell die ersten Autechre-Alben. Die Beats sind komplex, werden aber von melodischen Synthesizer-Texturen begleitet. Die Bässe sind an Dub und Jungle geschult und halten das Ganze zusammen. Gelegentlich verfällt die Platte in einen entspannten Reggae-Rhythmus, der nicht etwa vom Bass vorgegeben wird, sondern von den Keyboards. Auf dem letzten Stück reichen sich gurgelnde Synthesizer und Hip-Hop-Beats die Hand. Und dann gibt es da noch diese sehr charmanten, kurzen Zwischenspiele, die wie Ambient auf Kalimba gespielt klingen. Sehr schön, das alles.

Stream: NHK’KoyxeиDance Classics Vol. 1 (Album Preview)

 

Dass Matsunaga auch anders kann, zeigt seine Split-LP mit SND. Auf dieser klingt Matsunaga eher wie die letzten Platten von der SND-Hälfte Mark Fell. Harsche Synthesizer-Stabs und schneidende Beats fallen übereinander her. Ständig wird der Akzent verschoben. Man sucht beim Hören unweigerlich nach Halt, aber vergeblich. Verglichen hiermit ist Dance Classics Easy Listening. Anders die SND-Seite. Ein fünfzehnminütiges Stück, das zwar stets die Richtung ändert, aber fast so etwas wie House Music ist, inklusive zischender Disco-Hi-Hat. Lange hat man von SND nichts so zugängliches gehört.

Stream: SND/NHKSplit (Album Preview)