Dial war nie ein reines Dancelabel. Schon immer liebten und veröffentlichten die Macher auch partyuntaugliche Musik wie das Ambient-Noise Album Das Schweigen der Sirenen von Glühen 4 alias Pantha Du Prince oder die Drone-EP „Tod in Theben“ von Dirk von Lowtzow. Auch Christian Naujoks erstes unbetiteltes Album mit seinen ruhigen Piano und Marimba-Kompositionen erschien auf Dial und belebte dessen Katalog mit neuen Facetten. Nun geht der Hamburger Komponist einen Schritt weiter, verzichtet auf elektronisches Knistern und setzt auf den reinen Klang von Marimba, Piano, seiner Stimme und der Aura des Aufnahmeorts, der Laeiszhalle der Hamburger Elbphilharmonie. Deren Raunen verleiht den von Molltönen getragenen Stücken eine Tiefe, die kein Computer errechnen kann. Die Kompositionen selbst schweben, ordnen sich nur partiell melodischen Mustern unter und klingen wie Improvisationen zwischen Virtuosen, die ihre Virtuosität vergessen haben. Das faszinierende an True Life/In Flames sind aber nicht die einzelnen Stücke sondern die Gesamtatmosphäre. Ähnlich wie dem estnischen Komponisten Arvo Pärt gelingt es auch Naujoks eine individuelle Welt der Klänge zu erschaffen, die Räume frei lässt, die der Hörer mit seiner eigenen Imagination füllen kann. Magischer Marimba- und Pianozauber: Dial bleibt weiterhin unberechenbar toll.

 


Stream: Christian NaujoksChamber Two