Ed Davenport stammt aus dem südenglischen Salisbury, lebt aber in Berlin. Auf seinem 2011 erschienen Resident Advisor-Podcast untersucht er anhand von Tracks von Minimal Man oder Bandalu, was die geringste Dosis an Energie und Volumen ist, die ein Groove braucht, um wirksam zu sein. Die sich durch das Set ziehenden, entrückten, sphärischen Klänge eröffnen eine zweite, autarke Ebene. Nach einer Reihe von Maxis auf liebe*detail oder Autoreply erscheint jetzt bei NRK Davenports Debütalbum. Im Vergleich zu seinen DJ-Sets ist Counterchange überraschend dubbig und technoid ausgefallen. Die Grooves sind massig und schwer, ihre fehlende Energie kompensieren sie durch Volumen. Statt sich auf die guten Elemente zu konzentrieren, bringt Davenport zu viel verschiedenes Klangmaterial in Anschlag. Die verspielten, tendenziell albernen Progressive-Sounds passen nicht zur verhaltenen, düsteren Grundstimmung der Tracks. Mit „More Red Light“ etwa hat Davenport einen anmutigen House-Groove produziert, dessen Charme aber von einem sinnlosen Weltmusik-Sample zerstört wird. Am gelungensten ist „A Bridge Mystic“, bei dem sich alle Elemente zu einer launischen Detroit-House-Nummer fügen. Die obligatorische Kuhglocke erhält eine ironische Note. Ein intimes, persönliches Gespür für die Musik hat Davenport zweifellos, hier legt er allerdings noch nicht die Entschiedenheit an den Tag, die notwendig ist, um es auch zum Ausdruck zu bringen.