Text: Sascha Uhlig, Fotos: Bree Kristel Clarke
Erstmals erschienen in Groove 133 (November/Dezember 2011)

Zum ersten Teil des Interviews

Du sprachst eben über Platten, die sich fünf Millionen Mal verkaufen. Eine davon war im vergangenen Jahr „We No Speak Americano“ von den Australiern Yolanda Be Cool & Dcup, die damit einen globalen Nummer-eins-Hit landeten. Der Track ist zwar nicht auf deinem Mist gewachsen, man hört deine Einflüsse aber eindeutig heraus, und dein Management kümmert sich jetzt um das Projekt. Wie kam es dazu?

Eigentlich sollte „We No Speak Americano“ auf Made To Play erscheinen, aber das hat einfach nicht gepasst. Ich habe nie eine Platte veröffentlicht, von der ich dachte, dass man damit schnelles Geld machen könnte. Die Single erschien dann bei einem anderen Label und verkaufte sich wie geschnitten Brot. Ich traf die Jungs später in Australien, und sie waren frustriert, weil sie keine Popstars und stattdessen Teil des Undergrounds sein wollten – und dann das, ein weltweiter Charthit! Ich konnte ihnen den richtigen Weg zwischen Underground und Pop zeigen und ihnen wirklich gute Tipps geben.

Was für Tipps waren das genau?

Statt sich im Underground zu verstecken, sollten sie lieber die Chancen, die sie jetzt haben, nutzen. Also haben wir einen Track mit Pharell Williams aufgenommen und sind zusammen mit der Soulsängerin Betty Wright ins Studio gegangen. Busta Rhymes, Crystal Waters, Fatlip von Pharcyde, E-40 sowie einer der Typen von den Black Eyed Peas waren auch dabei – die Gästeliste auf ihrem Album wird auf jeden Fall lang. „We No Speak Americano“ hat ihnen die Türen weit geöffnet. Aber ich musste ihnen einen leichten Schubs nach vorn geben, um auch wirklich durchzugehen (lacht).

Einen großen Erfolg konnte zuletzt auch Oliver $ mit „Doin’ Ya Thing“ verzeichnen, wofür er ein langes Moodymann-Sample verwendete. Der Track erschien nicht auf Frontroom oder Made To Play, sondern auf deinem etwas kleineren Label Play It Down. Wieso?

Auf Play It Down veröffentlichen wir die Tracks digital und pressen nur zweihundert Platten pro Release. Tools für die DJs ohne viel Werbung. Ich hätte doch nie im Leben mit so einem Erfolg gerechnet!

Dann aber war der Track wochenlang in den Download-Charts auf Platz eins.

Ich konnte es selbst kaum glauben. Jetzt spielt sogar David Guetta die Platte! Oliver hat den Nagel einfach auf den Kopf getroffen, das ist einer dieser Tracks, die perfekt im Club funktionieren.

Letztens gab es ein Interview mit Oliver $ über „Doin’ Ya Thing“ in dem er sehr kritisiert wurde.

Stimmt, und ich hasse diese Typen! Es ist eine Sache, ob du als Journalist eine Meinung hast, eine andere, ob du jemanden von deiner Meinung überzeugen oder eine Person sogar schikanieren willst. Sie haben Oliver bloßgestellt, ich bin wirklich wütend darüber. Toll war, dass viele Leute Oliver unterstützt haben. Und noch viel besser ist, dass Theo Parrish, Carl Craig und Moodymann selbst die Platte spielen. Also fickt euch! Oliver war kreativ genug, um von einem dreistündigen Set die besten Stellen zu samplen, neu zu arrangieren und daraus einen fantastischen Track zu bauen. Worum geht es diesen Leuten also eigentlich, ist es vielleicht Neid?

Oder die fehlenden Credits an Moodymann.

Moodymann samplet doch selbst unzählige Klassiker, ohne ihnen Credits zu geben – und seine Samples sind auch nicht knapp bemessen oder unscheinbar. Das sind diese Samplepuristen, die House einfach nicht verstanden haben.

Hättest du mit diesem zum Teil massiv negativen Feedback gerechnet, als du den Track veröffentlicht hast?

Nein, denn wie gesagt, ich hätte nie im Leben gedacht, dass das eine so große Platte wird – was mal wieder beweist, was für ein schlechter A&R ich bin (lacht). Es wird immer Leute geben, die dich kritisieren, wenn du neue, kreative Dinge machst. Das Wichtigste als Künstler ist es aber, nicht allzu viel auf solche Typen zu geben. Du solltest auf die Leute hören, die deine Platten kaufen, deine Freunde und dich selbst.

Musstest du diese Einstellung während deiner Karriere erst lernen?

Wir haben schon immer einfach unser Ding gemacht. Meine Freunde und ich, wir machen Platten für uns. Du darfst nicht so viel über Kritik nachdenken, wenn du mit Musik anfängst – genauso wenig wie du über Geld nachdenken solltest, wenn du etwas mit der Musik erreichen willst. Du kannst von tollen Auftritten und vom Reisen träumen, aber vergiss das Geld! Wenn es dir nur darum geht, wird dir etwas Entscheidendes fehlen, nämlich die Seele, die nötig ist, um eine tolle Platte zu machen.

Lass uns noch einmal über Kollaborationen sprechen. Seit einiger Zeit bist du zusammen mit Henrik Schwarz als Black Rose unterwegs, was aufgrund eurer stilistischen Differenzen bei vielen Fans erst einmal für Verwunderung gesorgt hat. Wie kam es dazu?

Henrik und ich hatten vor ungefähr sechs Jahren einen Gig zusammen, er hat live gespielt, ich war als DJ dort. Wir haben uns schnell angefreundet und unsere erste Zusammenarbeit, der Track „Stop, Look & Listen“, erschien dann auf meinem Debütalbum. Irgendwann waren wir in Barcelona wieder gemeinsam gebucht und haben einfach angefangen, back to back zu spielen. Ich habe mein DJ-Set mit seinem Computer verbunden, er übernahm die Auswahl, und ich habe die Geschwindigkeiten angepasst. Es war ziemlich schwierig, aber es hat super funktioniert. Einen Monat später habe ich Henrik für meine Labelnacht in Berlin gebucht, und wir haben das Ganze wiederholt, was schließlich in einem sechsstündigen Set endete. Wir haben uns gegenseitig gepusht, er ist einfach ein fantasitischer Produzent, aber ich bin der erfahrene DJ, der jedes Wochenende unterwegs ist.

 


Stream: Jesse Rose & Henrik SchwarzStop, Look & Listen

 

Habt ihr euch damals schon Black Rose genannt?

Nein, wir haben uns den Namen ja nicht einmal selbst ausgedacht (lacht)! Eines Tages rief jemand bei meinem Booker an und meinte: Ich würde gerne Black Rose buchen. Wir treten seitdem nur sechs oder sieben Mal pro Jahr als Black Rose auf, weil das Ganze wirklich speziell bleiben soll. Jetzt benutzen wir auf der Bühne auch richtige Instrumente, und es fühlt sich definitiv mehr wie ein Liveset als ein DJ-Set an. Wir haben auch eine neue Single, die hoffentlich Anfang des nächsten Jahres erscheinen wird.

Wir haben viel über Kollaborationen geredet. Was wäre deine Traumkollaboration?

So oft, wie ich diese Frage höre, so oft ändert sich auch die Antwort darauf. Es gibt einfach so viele fantastische Musiker! Ich würde wirklich gern mit James Murphy zusammenarbeiten. Oder mit Lil B, einem ziemlich verrückten Rapper aus Berkeley in Kalifornien, dessen Tracks lange Zeit lediglich kostenlos im Internet erhältlich waren.

Wird es die beiden auch auf deinem Album zu hören geben?

Ich hoffe doch! Lil B wird ganz bestimmt mit dabei sein. Aber wenn er nicht zusagt, dann sample ich ihn ganz einfach (lacht).