Vor knapp zwei Wochen startete der Musikstreaming-Dienst Rdio in Deutschland. Wir haben mit dem COO (Chief Operating Officer) der Plattform, Carter Adamson, über die Zukunft des Musikvertriebs, die Vorzüge der Cloud und die Entlohnung der Künstler in Zeiten der Abo-Streams gesprochen.

 

Herr Adamson, mal angenommen, sie müssten einen ihrer Freunde von Rdio überzeugen: Wie würden sie die Vorteile des Dienstes beschreiben?

Nun, es gibt drei Probleme, die wir mit Rdio angehen wollten und die wir, wie ich finde, auch gelöst haben. Das erste Thema ist die Mobilität: Bis vor kurzem war es für uns als Nutzer sehr umständlich, unsere eigene digitale Musiksammlung auch auf mobilen Abspielgeräten zu hören. Inzwischen gibt es aber eine große Anzahl von Geräten, die alle Musik abspielen können und mit dem Internet verbunden sind. Es macht also keinen Sinn mehr, alle Downloads, die wir besitzen, zwischen den einzelnen Geräten hin und her zu schieben beziehungsweise zu löschen oder zu ersetzen. Am einfachsten ist es doch, wenn du als Nutzer alles, was du mobil hören willst, aus der Cloud laden kannst – wann immer und wo immer du willst. Mit Rdio ist das möglich und du kannst soviel Musik wie du willst abspeichern und offline hören – für einen monatlichen Preis, der unter dem eines Albums liegt (9,99 €, d. Red.).

Das zweite Thema ist das der Entdeckung. Mit einem Service wie Rdio habe ich jederzeit Zugriff auf eine globale Musiksammlung – die Frage ist nur, was fange ich nur mit dieser Unmenge an Musik an? Wir haben dieses Problem durch die Möglichkeit gelöst, Musik über andere Menschen zu entdecken. Meistens sind das Leute, die du nicht kennst und nie gesehen hast: Sie können die Künstler selbst sein, DJs, Produzenten, Komponisten oder einfach nur eine beliebige Person mit großem Hintergrundwissen zu russischer House-Musik oder Kammermusik. Wenn du anfängst, diesen Leuten bei Rdio zu folgen, dann wirst du automatisch einem für dich relevanten Strom von neuer und manchmal auch alter Musik ausgesetzt.

Und der letzte Grund für die Gründung von Rdio ist, dass es bis heute keinen wirklich globalen Musikdienst gibt. Wir wollten einen Dienst aufbauen, durch den du auf die ganze tolle Musik aus Deutschland, Brasilien, Korea oder woher auch immer zugreifen kannst und zwar wann immer du willst. Das ist es, wo wir hin wollen.

Sie haben die sozialen Funktionen erwähnt, die Rdio bietet. Heute starten die meisten Menschen bereits ihren Online-Tag in einem sozialen Netzwerk wie Facbook oder Twitter. Macht es da überhaupt Sinn noch ein weiteres Netzwerk aufzubauen? Wäre es nicht besser, einen Service wie Rdio stärker in andere Netzwerke zu integrieren?

Das haben wir bereits getan. Wir nehmen am Facebook-Programm „Open Graph“ teil und haben eine App für die neue Facebook-Chronik entwickelt, mit der du alle Songs sehen kannst, die deine Freunde gerade hören. Auf Twitter sind Rdio und der Apple-Service Ping die beiden einzigen Musikdienste, die bereits fest in das Netzwerk integriert sind. Wenn also jemand einen Rdio-Song oder eine Playlist tweetet, dann wird unser integrierter Player automatisch angefügt.

Sie haben erwähnt, dass Rdio der erste „globale Musikdienst“ werden soll. Wenn man sich die deutsche Rdio-Seite ansieht, dann ist die Auswahl an Musik tatsächlich schon sehr umfangreich. Dennoch passiert es immer wieder, dass man auf einzelne Songs oder Alben stösst, die sich mit dem deutschen Dienst nicht abspielen lassen. Woran liegt das?

Nun, wir laden jeden Tag neue Inhalte hoch. Wir sind jetzt schon bei mehr als 12 Millionen Titeln angelangt und bewegen uns schnell auf 15 Millionen zu. Wir sind außerdem gerade dabei, unseren Musikkatalog noch ein wenig aufräumen. Es kann im Augenblick noch passieren, dass du eine US-amerikanische oder kanadische Version eines Album siehst und diese sich nicht abspielen lässt. Aber da sind wir dran. Du wirst also auf Rdio jeden Tag weniger Meldungen, dass etwas nicht verfügbar ist, sehen.

Es ist also keine Frage von fehlenden Lizenzen?

Nein, es geht nur darum, dass wir den Katalog ein wenig aufräumen müssen. Wir haben Vereinbarungen mit der GEMA, mit allen Majorlabels, mit den meisten unabhängigen Verlagen und Vertrieben und auch individuelle Vereinbarungen mit kleineren Untergrundlabels.

Wie hoch ist die Audioqualität der Rdio-Streams?

Bis zu 320 kBit/s, aber wir machen etwas, das wir bit rate peeling nennen. Das heißt, wir streamen immer in der bestmöglichen Qualität zu dir, die aufgrund deines Abspielgeräts und der Bandbreite deines Internetzugangs möglich ist. Wir bringen also dein Handy nicht zum Stillstand, indem wir versuchen, 320 kBit/s zu streamen, wenn du in einer wirklich schlecht angebundenen Gegend bist.

In der letzten Zeit wurde vor allem online sehr viel über die Verteilung der Erlöse bei Musikstreamingdiensten diskutiert. Wenn man sich einige der Statistiken ansieht, stellt man fest, dass Streaming aus Perspektive der Künstler der am wenigsten attraktive Vertriebsweg zu sein scheint. Können Sie mir sagen, welcher Anteil der Erlöse bei Rdio schlussendlich beim Künstler ankommt?

Das kann ich leider nicht, denn das ist streng vertraulich und zudem sind unsere Verträge mit jedem der Labels und Verlage unterschiedlich. Aber es ist doch auch so: Wir bezahlen die Label, die Musikverlage und die verschiedenen Verwertungsgesellschaften – und diese bezahlen wiederum erst die Künstler. Alle diese Firmen haben wiederum ihre eigenen Vereinbarungen mit ihren Künstlern, in die wir keinen Einblick haben. Natürlich bekommen also einige Musiker mehr und andere weniger. Andererseits basiert unser Modell auf dem Prinzip pay-per-play, so dass jedes Mal, wenn ich ein Lied spiele, jemand dafür bezahlt wird – im Gegensatz zu: „Ich kaufe diesen Song einmal und du wirst nur einmal bezahlt.“ Es ist einfache ein andere Art und Weise, die Künstler für die tolle Musik, die sie machen, zu belohnen.

Und ich finde, dass der Marketingaspekt nicht vergessen werden darf: Speziell bei Rdio entdecken die Leute alte Sachen, die sie vergessen hatten, wieder und eine Menge Neues, das sie sonst niemals gefunden hätten. In einer Zeit, in der es keinen Sinn mehr macht, in den CD- und Plattenläden Werbaufsteller zu platzieren und für die beste Position im Regal Geld zu bezahlen, ist eine Plattform wie Rdio ein extrem effektives Marketingtool. Zudem bereichern solche Netzwerke auch die Beziehung zwischen Künstlern und ihren Fans. Und das ist eine aufregende Entwicklung, wie ich finde!

 


Stream: Rdio-PlaylistGroove Redaktions-Rotation II

  • PP

    „Q: Können Sie mir sagen, welcher Anteil der Erlöse bei Rdio schlussendlich beim Künstler ankommt?

    A: Das kann ich leider nicht, denn das ist streng vertraulich und zudem sind unsere Verträge mit jedem der Labels und Verlage unterschiedlich.“

    Oh Mann. Für Universal gibt es also eine Beteiligung und für ein Kleinstlabel eine andere (sprich: miese). Macht doch endlich mal eure PR-Hausaufgaben, liebe Internetindustrielle.