Ursula Bogners posthumes Debütalbum R e c o r d i n g s  1 9 6 9  –  1 9 8 8, vor zwei Jahren auf Jan Jelineks Label Faitiche erschienen, war eine kleine Sensation. Eine völlig unbekannte Pionierin der elektronischen Musik in der freigeistigen Tradition von Klangforscherinnen wie Delia Derbyshire oder Eliane Radigue war hier zu entdecken. Eine schöne, viel zu schöne Geschichte, die prompt zu Betrugsvorwürfen führte, hinter denen Bogners Musik weitgehend überhört wurde. Das zweite Album S o n n e  =  B l a c k b o x fügt diesen Diskussionen noch eine weitere Sinnebene hinzu, indem sie mit einem Buch veröffentlicht wird, in welchem die Fake-Diskussionen dokumentiert, aber nicht direkt zurückgewiesen und Quellen wie Bogners Zettelkästen mit astronomischen und esoterischen Anmerkungen freigelegt werden. So toll gestaltet das Büchlein ist, lenkt es doch wieder von der Musik ab, den konzentrierten Experimenten mit Synthesizer und Vocoder. Diese eigenwilligen Klangstücke wollen in nie gehörte Dimensionen vorstoßen, bleiben dabei in ihrer verspielten Art doch immer intim und freundlich. So etwas wird, in einem elektronischen Popkontext, heute einfach gar nicht mehr gemacht. Wissenschaftliche Psychedelik, herrliche, wertvolle Unsinnskunst: „Weißer Schwan 92. Uranotypie. Zahl 92. Abgeschrägter Dodekaeder.“