Zehntausende solcher Compilations findet man in Afrika, selbstgebrannte CDs mit farbfotokopierten Covern. Auf Schwarzmärkten kann man diese Musik sogar per Megabyte en gros kopiert einkaufen. Doch offizielle Zusammenstellungen von elektronischen afrikanischen Clubmusiken wie Coupé Décale, Kwaito oder in diesem Fall Kuduro durch den Filter westlich sozialisierter Ohren sind nach wie vor selten. Auch, weil die Lizenzierung eine saukomplizierte Geduldsarbeit ist. Die französischen DJs und Produzenten Jess und Crabbe haben sich ihrer angenommen und in Angola und Südamerika zwei Jahre lang von Produzenten, deren Namen man noch nie vorher gehört hat, beispielsweise Bruno M, Zaza Twins oder DJ Ketchup, die Lizenzen für originale Kudurotracks zusammengeklaubt. Echter, roher Kuduro, nicht eine mit Nurave verwässerte Variante wie bei Buraka Som Sistema. Manchmal rappt jemand auf Portugiesisch, aber dankenswerterweise haben Jess & Crabbe auch viele Instrumentals ohne quäkende Brüllraps einbezogen. Das sind dann rohe, manchmal trancige, immer bouncende Aufputsch-Tracks für unterschiedlichste Dancefloors – eine Musik, deren hüpfende Beatsynkopen heute in so vielen anderen Genres auftauchen, dass sie fast schon nirgends mehr überraschend wirken. Toll, sie hier wieder gebündelt im Original hören zu können.