Mit seinem dritten Album kommt dem hawaiianischen Philosophiedozenten und Popfantasten John Maus erstmals die redlich verdiente Aufmerksamkeit zugute, schraubt der umtriebige Feingeist doch bereits seit Jahren an einem musikalischen Gegenentwurf, bei dem klangästhetische wie referenzielle Parameter einer ganz eigenen Formel unterliegen. Wo der Ian Curtis’sche Bariton bei den üblichen Revivalkonsorten längst zur formelhaften Plattitüde verkommen ist, dient er bei John Maus als Rudiment einer popkulturellen Geschichtsklitterung, mit der gleich ein komplettes obskures Paralleluniversum aufspannt wird. In dieser alternativen Realität tanzen Brian Ferry und Dave Gahan eng umschlungen zu psychedelischen Synthesizerfiguren und vernebelten Keyboard-Flächen, als wäre es niemals anders gewesen. Dieser rätselhafte und faszinierende Umgang mit Zitaten aus Italodisco, New Romantic oder auch Postpunk ist zugleich der gemeinsame Nenner mit dem befreundeten Pop-Avantgardisten Ariel Pink, für den John Maus bereits als Keyboarder tätig war. Die Lofi-Produktionen beider klingen, als hätten sie die Zeitgeist-spezifische Musik ihrer Kindheit allein aus dem Gedächtnis rekonstruiert, ohne sich dabei um geschmackliche Präferenzen zu scheren. Kulturelle Kredibilität wird in diesem System zur leeren Phrase – und genau das macht W e  M u s t  B e c o m e  T h e  P i t i l e s s  C e n s o r s  Of  Ourselves zu einem solch erhellenden Hörerlebnis.

  • Deborah

    Vielen Dank für die tolle, herrlich geschriebene Review :)
    Die Platte läuft dank dieser rauf und runter..und wieder rauf…und runter..
    Wenn ich meinen Kumpels sage, sie sollen doch erraten, aus welchem Jahr die Mucke ist, sagen alle „80er“ Haha- Nee, besseres 2011!