Der Berliner Sascha Ring alias Apparat hat sich Verstärkung geholt und ist jetzt Gitarrist und Sänger seiner vierköpfigen Band. Nachdem Ring auf seinem letzten Album W a l l s schon einen gewaltigen Schritt in Richtung Ambient und Emorock gemacht hatte und auch selbst sang, emanzipiert er sich nun vollständig von seinen clubtauglichen Technoproduktionen. Auf dem neuen Album The D e v i l ‚ s W a l k spielten Apparat erstmals Stücke in Bandbesetzung ein – und präsentieren diesen live bei einer Konzerttour durch zwölf Städte in Europa.

31.10. Leipzig – Centraltheater
01.11. Zürich – Kaufleuten
02.11. Frankfurt/ Main – Moussonturm
08.11. Wien – Flex
09.11. München – Kammerspiele
10.11. Stuttgart – Waagenhalle
11.11. Heidelberg – Karlstorbahnhof
12.11. Dresden – Beatpol
18.12. Berlin – Hebbel am Ufer

  • Apparat, Warren Suicide & SHRUBBN!! im Centraltheater/Leipzig:

    „Der sieht ja aus wie T. Raumschmiere!“, dachte ich mir, als die erste Vorband mit ihrer „Performance“ begann. Sehr minimalistischer Frickel-Dub-Downbeat-4-Pattern-Sound, nicht besonders originell, nicht besonders zu Ende gedacht. Zumindest zwei Menschen hatten Spaß am Sound: SHRUBBN!! selbst! Noch nie habe ich derartig viele Menschen bei einem Konzert aus dem Saal gehen sehen! Einerseits ist es schön, dass T. Raumschmiere sich musikalisch verändert hat – leider kann ich nicht von einer „Weiterentwicklung“ sprechen. Die Musik klang wie reine Native-Instruments-Reaktor-Preset-Abfeierei. Laute Reaktionen am Ende des 30-minütigen Sets waren dann auch „Das geht noch besser!“, worauf T. Raumschmieres Kumpane nur schüchtern „Ja, vielleicht beim nächsten Gig“ erwiderte. Das fand ich dann schon wieder super selbstironisch-sympathisch. SHRUBBN gehört in die Afterhour, aber auf keinen Fall als erste Vorband zu Apparat! Ich glaube das wissen SHRUBBN!! auch selbst….

    WARREN SUICIDE waren mir noch nicht bekannt. Musikalisch lagen sie irgendwo zwischen Owen Pallett und Frittenbude. Die Streichersegmente des Cellisten und des Geigers waren eine super Ergänzung zum elektronischen Grundgerüst. Die dadaistisch sinnlosen Vocals fanden bei meiner Begleitung keine Zustimmung – ich fand sie zumindest schön anzuhören, auch wenn sich die Texte stark an dem Running Gag „war and suicide“ orientierten. Das klang offensichtlich bewusst wie der Bandname. Also durften wir zuhören wie „war and peace“ (Warren peace?) und andere Wortspielereien säuselnd schön gesungen wurden. Eine Bohrmaschine kam auch zum musikalischen Einsatz. Und beim letzten Lied durfte T. Raumschmiere auch noch mal auf die Bühne. Hauptsächlich, um dem Publikum einen guten Teil seiner Kimme zu zeigen, nebensächlich, um ein paar Zeilen ins Micro zu gröhlen. HOSEN HOCH, JUNGE!

    Dann kam(en) endlich APPARAT auf die Bühne. „WIR SIND APPARAT“, meinte Sascha. Ja, ne, guten Tag auch, Herr Ring. Der Auftritt war solide, die Tracks sind bühnenprädestiniert, die Vocals passen super zu den Arrangements, die dubbigen Effektspielereien und Kaoss Pad Effekte gliederten sich super an die Streicher von Warren Suicide. (Die beiden Streicherianer durften auch noch mal auf die Bühne – T. Raumschmiere durfte es nicht! ;-) ) APPARAT spielte(n) nicht nur neue Sachen: „Arcadia“ vom Walls-Album und „rusty nails“ von Moderat wurden auch performed. Das waren für mich die musikalischen Höhepunkte.

    Vor allem der Schlagzeuger ackerte sich tüchtig ab. Die vershuffelten Apparat-Beatgerüste hat er spiiiiiiiiiitze performed. Ich hab shuffling noch nie so shuffelig live beobachten dürfen. Super! Auch die Xylophonspielereien fand ich spitze… Komisch wirkt die Gitarre um Saschas Schultern, aber das liegt wohl an der Macht der Gewohnheit…..
    Wer die dichten Soundteppiche von Apparat mag, der wird auch in Zukunft seine Freude an seinen/ihren Konzerten haben. Mir gefallen allerdings das Walls-Album und das Moderat-Album besser. APPARAT entwickelt sich weiter und man merkte auch an Saschas Kommunikation mit dem Publikum, dass es ihm sichtlich Freude bereitet, nicht alleine auf der Bühne zu stehen. Ich mag seine laptopbasierten Beatschlachten aber irgendwie lieber.

    Trotzdem gehe ich wieder hin, wenn er/sie in Leipzig spielen. Es sei denn T. Raumschmieres Kimme ist wieder dabei!!!!!!!