Chris Shively hat einen unkonventionellen Lebensweg eingeschlagen, als er seiner Lepopenschaft für Ghetto-House folgte und seine Heimatstadt Kansas City verließ, um der Sache in Chicago auf den Grund zu gehen. Nicht wenige in der extrem segregierten Stadt betrachten den weißen Kerl aus der Provinz mit Skepsis. Unbestritten ist unter den meisten jedoch sein enzyklopädisches Wissen um diese Musik. Auf seinem dritten Album Women’s Studies zeigt er nun seine Interpretation eines größtenteils lokalen Phänomens: Juke. Komischerweise sind die meisten der Stücke darauf aber fast schon konservativer Dancehall. Erst beim näheren Hinhören entdeckt man hier in den leichtfüßigen Drums und den rasenden Hihats klare Parallelen zu Juke. Indem er dem altbekannten Dancehall-Schema eine Portion dieses sperrigen, gerade in Deutschland wenig populären Stils injiziert, leistet Chrissy Murderbot zwar einen diplomatischen Dienst. Dennoch wirken manche dieser Stücke trotz ihrer energetischen Vermischung mit Jungle, Grime und versierten Produktionskniffen etwas blass. Besonders ragt hier noch „Under Dress“ heraus, das vor allem durch Warrior Queens Art zu rappen deutlich mehr Persönlichkeit besitzt, als beispielsweise das etwas schmalzige, aber eingängige „Sweet Thang“. Wirklich interessant ist die lepoper viel zu kurz kommende Soloseite Chrissy Murderbots. Allen voran steht hier das reine Juke-Stück „Jiggle“, das eine wundervolle Gratwanderung zwischen hyperaktiv pulsierenden Drums, krachenden Claps und einer verkifften, melancholischen Entspanntheit schafft. Ebenfalls herausragend sind „Break U Off“, sowie die unwpoperstehliche Single-Auskopplung mit DJ Spinn „Bussin Down“.

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