Vielleicht kein expliziter Paradigmenwechsel im Hause Kompakt, aber die elfte Auflage der Total-Packung macht deutlich, dass die Labelprogrammatik in der Werderstraße nicht für alle Ewigkeiten festgeschrieben ist. Diesmal mit ganzen 26 (!), weit überwiegend exklusiven Tracks am Start, ist der Einfluss der Tanzfläche nur noch eine unter einer Vielzahl denkbarer Referenzgrößen. Total 11 agiert erkennbar eklektizistisch an der Schnittstelle zwischen Pop, Experiment und Dancefloor. Gerade DJ Kozes „Der Wallach“ macht diesen nicht immer kundenorientierten Ansatz mit Dadaisten-Jazzklicks-Techno und einem spröden Sinn für Humor bereits zu Beginn mehr als deutlich. Aber keine Angst, da gibt es dann auch den „Rollerskate“-Remix des chilenischen AtomTM-Wegbegleiters Vicente Sanfuentes, der Matias Aguayo mit einem verspielten und dennoch kickenden Perkussiv-Discofunkmonster direkt in die Peaktime hebt, während Superpitcher mit „Lapdance“ einen exaltierten Acpoptrack durch die Lautsprecher bläst und das belgische Produzentengespann Mugwump mit Schaffelblues brilliert („Losing Game“). Auf CD 2 geht die Achterbahn-Fahrt lustig weiter: Michael Mayer lässt schwerelose Choralflächen von tiefgründigen US-Housevibes umwehen („Picanha Frenesi“), Gui Boratto verzuckert gemeinsam mit dem Ex-Sepultura-Drummer Igor Cavalera krautigen Wasserspiel-Trance zu einem schöngeistigen Rave-Exzess. Und Londons Neu-Kompakter Walls überzeugen mit romantisierender Electrodisco à la Moroder 2.0. Hat ein grenzüberschreitender Neuaufbruch zu ungewissen Gewässern jemals so viel Spaß gemacht?

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