Als da vor sechs, sieben, acht Jahren das erste Mal wieder von Discopunk, Dancepunk und dergleichen die Rede gewesen ist, war neben Labels wie DFA, Output oder auch – in leicht anderem Zusammenhang – DC Recordings das Pariser Label Tigersushi eine der vordersten Hoffnungsträgerinnen einer erneuten, zwingend notwendigen Verquickung der ollen Camps Dance/Elektronik auf der einen und Rock/Postpunk auf der anderen Seite. Bei gleichzeitigem Hinter-sich-Lassen des längst lästig gewordenen Etiketts „Electroclash“. Labelboss Joakim selbst ist bekanntermaßen gefragter DJ, Remixer und Produzent eigenen Rechts geworden, bei Tigersushi dominiert eher das punktuelle Aufblitzen einzelner Großtaten und dann wieder das Verschwinden in der dritten Reihe, als dass konstante Weltherrschaft angestrebt würde. Zu zerfahren, unorganisiert, nervös, unterschiedlich und mitunter auf tatsächliche Konfrontation angelegt ist das Material von Tigersushi, was auch diese zum zehnjährigen Jubiläum veröffentlichte Compilation wieder belegt. Auf zwei CDs gibt’s Hits und Unveröffentlichtes, CD 1 bringt in ungemixter Variante die – nach Eigenauskunft – poppigere Seite von Tigersushi und überbrückt mit beispielsweise Principles Of Geometry, Panico, Poni Hoax, My Sister Klaus und Krikor weite Gräben zwischen Electronica, EBMhaftem und Nowave, rappeligem Postpunk und Disco. Ein großer Haufen Schrott, wunderbar. CD 2 ist ein Mix von Joakim, der sich auf- und abschwellend, zwischen Ambient und Geraschel, Songstrukturen und Lärm, jeglichen Spannungsbögen verweigert. Nicht alles ist gut hier, und das ist gut so.