Noch bevor der Wecker hätte läuten sollen, erwachte ich durch das kreisende Mahlen einer neuen Maschine der Berliner Müllabfuhr unten auf der Straße. „Ring Ring“, dachte ich, Reuber, was für ein zarter Morgen. Staubgold, wo Reuber gemeinsam mit Markus Detmer Klangwart ist, bietet seit jeher auch Kompensationen für den akustischen Stress der Gegenwart. Aber Timo Reubers Ring transzendiert das Genre der Fieldrecordings und des experimentellen Ambients, der Avantgarde-Folklore und des Lärms. Die Kraft des „Ringer“ ringt dem Tag einen Rhythmus ab, entwickelt durch den Loop eine eigene Perspektive, laut und assig, durchaus brutal zunächst. Der Künstler als Punk, als exaltierter, selbstbezüglicher Solitär. „Ring Frei“ öffnet diesen Entwurf wieder aufs Soziale hin, ein Ritardando als Herausforderung und als Einladung: zum großen „Ringfest“, zu dionysischer Entgrenzung, kollektiver Euphorie und gegenseitiger Selbstvergewisserung im Schwindel der Bassdrum, im Körper des Klangs und der Atemluft des Clubs. Ring ist eine Oper der Weltwahrnehmung in fünf Zuständen und ein tolles zeitgenössisches Album.

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