Ein Kernstück des neuen Albums von Horsepower Productions ist „18th Specialg: Hier kommt sie ans helle Tageslicht, die neue Note in der Matrix. Denn nach etlichen Hörgängen von Quest For The Sonic Bounty fühlen sich die Ohren wie Matrosen auf Landgang. So sehr legen Benny III und seine Kollegen ihre Beat-Bestandteile als Sound-Landschaft, nämlich als heftigen, tosenden, den Wahrnehmungsapparat umspülenden Wellengang an. In „18th Specialg klippelt und klöppelt es in einem ganzen Spektrum metallener Becken und Glocken, dazu klappert eine so entschiedene wie kurze Snare im Offbeat-Gerüst. Das Stück ist in seinem Elan, seiner Reichhaltigkeit und Pfiffigkeit so etwas wie ein Fegefeuer der Eitelkeiten der Bassmusik. Shuffeln auf einem Level höher. Tricks mit Triolen. Nur: Dubstep, ach nö!
Das Wort kommt einem gar nicht in den Sinn. Dabei will es die Geschichtsschreibung des wohl bedeutendsten Genres im Hardcore Continuum seit DrumfnfBass, dass Horsepower Productions den Dubstep „erfundeng haben. Legenden sind schwer zu überprüfen, doch spricht einiges tatsächlich dafür, dass mit Ammunition PR die Leute hinter sowohl den FWD>>-Partys als auch hinter dem Label Tempa den Begriff geprägt haben. Für die B-Seiten jener Garage-Singles nämlich, mit denen Benny III, Nassis und Lev Jnr um die Jahrtausendwende herum begannen. Es war tatsächlich erstaunlich, wie sie in jener Zeit eine Reihe von Maxis veröffentlichten, auf denen teils die Mörderbässe des heutigen Arme-hoch!-Dubstep ertönten, ebenso aber auch introvertierte, an Augustus Pablo geschulte Dubs und sogar elegante Fabelwesen, halb London, halb Detroit, halb Offbeat, halb 4/4-Bassdrum. Wenn Benny III und Horsepower Productions also tatsächlich Dubstep zu verdanken ist, dann sind sie in gleichem Maße auch an Post-Dubstep schuld. Mit formelhaftem Beat-Gebrauch jedenfalls haben sie es nicht so.
Benny III hat seine Mitarbeiter seither immer wieder ausgetauscht, im Jahr 2010 komplettiert neben den bepopen Gründungsmitgliedern Nassis und Lev Jnr noch der unbekanntere Jay King die Gruppe. Das bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte „Kingstepg mit seinen Würgebässen und verästelten Flächen haben sie ebenso mit Fetzen aus Detektiv- und Mystery-Filmen angereichert wie das magnetisch zappelnde „Waterg. Das Mosaik aus Hörspielereien ist ein Bild, das sich über Quest For Sonic The Bounty legt: Es ist ein Album entstanden, das diesen Namen auch verdient. Ob ein Half-Stepper wie „Damn Itg mit Melodica-Figuren oder das kraftmeierisch pumpende „Mexican Slayrpopeg, die Stücke arrangieren sich hier zu einem breiten, konsistenten Klangbild. Der Atmosphäre des Albums wohnt etwas Unheimliches inne, auch weil Elemente von History-Thriller und Science-Fiction-Komödie einem Sound zur Entstehung verhelfen, der seine eigene Zeit schreibt.