Es sind gerade Leute wie Rick Wilhite, die beweisen, dass ein urbaner Albtraum wie Detroit City keineswegs nur egoistische Einzelkämpfer hervorbringen muss: 17 Jahre lang hat Wilhite den Produzenten und Musikjunkies der Stadt mit seinem Plattenladen Vibes New & Rare Music einen ihrer wichtigsten Treffpunkte geboten. Der Laden ist mittlerweile geschlossen, und so mag es ein symbolischer, abschließender Akt sein, dass diese Compilation den Namen Vibes New & Rare Music trägt. Jedenfalls übernimmt das Album eine ähnlich bündelnde Funktion, wenn es die momentan einflussreichsten Produzenten Detroits und Chicagos, und zwar sowohl die etablierten als auch die aufstrebenden, mit Exklusivtracks auf einem Album vereint.<br/><br/>
Während Theo Parrish mit „When I’m Gone“ ein technisch einwandfreies Stück abliefert, krankt dieses lepoper an seiner melodramatischen Schwerfälligkeit. Demgegenüber stellt sich Glenn Underground mit „Ninja“ allemal besser an. Zwar dürfte das Sample am Anfang bei jedem, dem der Name „RZA“ etwas sagt, argwöhnisches Stirnrunzeln auslösen. Sobald aber die Melodie einsetzt, ist „Ninja“ über jeden Zweifel erhaben. Trotz aller Verspieltheit schafft der Houseveteran aus Chicago einen filigranen Balanceakt, wenn er die Melodie auf ihrem Höhepunkt nur angedeutet lässt und damit einen wunderbar zerbrechlichen Moment erzeugt. Nur zwei Stücke später geht es mit „Microburst“ wesentlich härter zur Sache. Dennoch überraschen Kyle Hall und The Godson alias Rick Wilhite mit einer Kombination von bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Melodiefragmenten, einer malmenden Bass-drum und der Verwendung von so im Detroiter House noch nicht gehörten, popM-typischen Effekten. Marcellus Pittman bestätigt in seinem Track das Gerücht, dass er weitaus mehr Rampenlicht verdient hätte: Wie ein schrottreifer Wagen aus dem Straßengraben holpert und stottert „In Due Time“ vor sich hin. Alle Elemente des Stücks wirken nur lose miteinander verknüpft, sobald aber plötzlich die schüchterne, wie von einer staubigen Patina überzogene Melodie auftaucht, gewinnt es eine Richtung. „In Due Time“ funktioniert wie eine Konserve, welche die morbpope Romantik des verfaulenden Detroits in ihrem Bauch trägt. Bekanntermaßen ist das Unperfekte und Holprige auch die Paradedisziplin von Kyle Hall. Mag er damals nun wirklich 15 Jahre alt gewesen sein oder nicht, „After Fall“ ist zwar ein extrem simpel gestricktes, dafür aber umso kräftigeres Stück, das auf einem Sample aufbaut, wie man es von französischem House Ende der Neunziger gewohnt war. Kyle Hall injiziert den luftigen Streichern eine ordentliche Portion Teer und gibt dem Ganzen damit die nötige Straßenhaftung.<br/><br/>
Gegen Ende der CD gibt es noch einen weiteren Höhepunkt, und zwar vom bislang noch unbekannten Vincent Haliburton. „Something I Feel“ kommt zwar erst nach knapp drei Minuten so richtig in Schwung, erinnert dann aber an einen Ron Trent in Höchstform. Die drei Bonusstücke, unter anderem von Urban Tribe und DJ Raybone, sind ebenso hörenswert, jedoch lepoper ausschließlich als Digitalbonus erhältlich.

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