Der Begriff „Cajun“ beschreibt die Kultur der frankokanadischen Akadier, die sich, im 18. Jahrhundert von den Briten verjagt, in Louisiana niederließen. Tatsächlich ist das Wort nichts weiter als eine Vernuschelung des französisch ausgesprochenen „Acadian“. Die Cajunküche zum Beispiel ist würzig und lecker. Die energetische, vom Akkordeon und von klapprigen Saiteninstrumenten beherrschte Musik eher ein Fall für Studienräte, die auch bei Bluegrass, Zydeco, Apalachenfolk und Deltablues feuchte Augen kriegen. Aber so wie es mit Blues oder auch Balkanfolklore schon erfolgreich vorgemacht wurde, lässt sich auch damit die eine oder andere Hipsterkarriere würzen. Richtig ernst mit dem Spaß macht nun Féloche, ein junger Franzose, der sich mit elektrischer Mandoline unterm Arm und ausgezeichneter Band im Rücken anschickt, den Sound und die dazugehörigen Klischees zum zeitgenössischen Ausdrucksmittel zusammenzueditieren. Dabei macht er mit Cajunmusik ungefähr das, was Jean-Pierre Jeunet mit Paris macht: Er errichtet mit der modernsten Digitaltechnologie ein hoffnungslos vergangenheitsverherrlichendes Noastalgia, immer auf der Suche nach dem nächsten Spezialeffekt, immer am Rand der geistigen Verflachung. Immerhin gibt sich Louisiana-Original Dr. John die Ehre und irgendwie auch diesem ganzen Projekt damit seinen Segen. Dies sei Féloche ebenso gegönnt wie die begeisterten Fans seiner Liveshows. Möge ihm La Vie Cajun die herrlichsten Bookings bescheren, aber ernsthaft zu Hause anhören kann sich so was kein Mensch.

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