Allzu gut bestellt war es um die Reputation der französischen Hipsteragentur Nummer 1 in den vergangenen ein, zwei Jahren ja nicht mehr unbedingt: Nach dem glühenden Aufstieg muss immer die Skepsis der Oberauskenner folgen. Ständig bloß voll auf die Zwölf knallbunt abraven, das kann ja noch nicht alles gewesen sein, oder? Erfolg, ja, klar, aber Inhalt? Die neueste Zusammenstellung von brandheißestem Scheiß markiert nun nicht unbedingt einen Neubeginn unter ganz anderen Vorzeichen, aber immerhin wieder mal eine, doch, doch, erfrischende Ansammlung einiger wirklich guter Stücke, echter Songs, und nicht immer nur der üblichen auf Krawall gebürsteten Verzerrer- und Bratzorgien. Da wären beispielsweise die junge nordirische Band Two Door Cinema Club, die mit luftigem Indiepop der Marke Phoenix um die Ecke kommt, oder die smarten Franzosen Phoenix selbst mit dem besten Stück ihres aktuellen Albums, „Lisztomania“, in der feinen Classixx-Version. Der Elektroniker James Yuill lässt sich seinen Track „Sweet Love“ von Discokönig Prins Thomas zu einem wunderbaren Stück Datapop aufblasen, von Men, einer Nebenbaustelle von Le Tigre, setzt es kickenden Laptop-Rock auf die Ohren, und mit La Roux, der sympathischen jungen Engländerin mit der kecken Spitzfrisur, gibt’s noch den kommenden Star der elektronisch unterfütterten Indiedisco zu erleben. Dazwischen schummeln sich dann freilich doch wieder zwei, drei, vier Totalaussetzer inklusive Quatschlyrics und nerviger Hauruck-Attitüde. Aber bei insgesamt 19 Stücken und einigen wirklichen Höhepunkten lässt sich das verkraften. Geht ja doch noch.

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