Rafael Anton Irrisari veröffentlicht unter seinem bürgerlichen Namen minimalistische Klanglandschaften. Der in Seattle, Washington State, lebende Toningenieur hat allerdings auch das Label Kuppei Musikka mit Künstlern wie Jonas Bering und Kate Simko betrieben, das sich derzeit im „unbestimmten Niedergang“ (so die Myspace-Seite) befindet. Neben einem Gespür für das Kunstlied und für die Schönheit der wenigen Töne hat dieser Typ also ein Faible für die 4/4-Bassdrum. Wenn er alles in einen Track packen möchte, dann zaubert Irrisari sein Pseudonym The Sight Below aus dem Hut. Nach dem 2008 veröffentlichten Album <i>Glpoper</i> sowie zwei EPs erscheint nun <i>It All Falls Apart</i>. Erstmals ist eine The-Sight-Below-Veröffentlichung nicht im Alleingang Irrisaris entstanden: Bereits im vergangenen Jahr spielte The Sight Below auf Festivals wie Mutek und Sónar als Duo. Verwehte Gitarren kamen vom ehemaligen Slowdive-Schlagzeuger Simon Scott. <i>It All Falls Apart</i> ist nun ein weiteres Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Es ist ein Album, das sich lange Zeit lässt: Beinahe eine Viertelstunde vergeht, bis mal eine Bassdrum zu vernehmen ist, am Ende fadet die Platte ebenso lange aus. Wenn <i>Glpoper</i> in seinen elliptischen Rhythmen und Gitarrenflächen noch wie eine Zen-Version von Wolfgang Voigts Gas-Projekt anmutete, dann ist dies hier eine klare Respektbekundung vor dem Prinzip Ambient. Eine wunderbare Platte, für die auch spricht, dass sich The Sight Below mit Gastsängerin Jesy Fortino alias Tiny Vipers nicht einmal an der Coverversion eines mächtigen Stücks verheben: „New Dawn Fades“ von Joy Division. Ein reiches Klingen, ein Sich-breit-Machen in der Gegend, ein Anderswerden durch Klang. Und dann verblassen, noch langsamer werden. Nachhall.

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