London an jedem beliebigen Sonntag. Im The Eagle, einer waschechten Schwulenbar in Londons verschlafenem Bezirk Vauxhall, legen Jim Stanton, James Hillard, Severine und Filthy Luka Disco-Musik mit einem Verständnis auf, das Cerrone ebenso zulässt wie nagelneue Chicken-Lips-Produktionen. Es zählt alleine, was funktioniert und abgeht. Das Publikum besteht zu fast hundert Prozent aus Männern in allen Bartlängen und Schattierungen des Schwulseins sowie einigen wenigen Frauen, die im Eagle nur zu den „Horse Meat Disco“-Partys geduldet werden. In fünf Jahren haben es die Mannen in dieser Konstellation jedenfalls geschafft, diesen Pub in die heißeste Adresse Londons zu verwandeln, wenn man auch nur entfernt etwas mit Disco anzufangen weiß. Strut schickt sich an, diese Großartigkeit für die Nachwelt zu dokumentieren, lässt Stanton und Hillard ans Mischpult und versucht so durchzupausen, was eigentlich nur im Club erlebt werden kann. Was mit einer urkomischen Anrufbeantworter-Nachricht (es geht um den Geist von Ron Hardy und Disco-Einhörner, die über London fliegen) und „Deetour“ von Karen Young anfängt, bleibt im Groove eines Nachmittags auf Fire Island, New York: K.I.D., Larry Levan, Gregg Diamond, Fern Kinney – alle sind dabei. Das hat mit der überstrapazierten Edit-Kultur so rein gar nichts am Hut und trennt die Spreu vom Weizen. Tolle Typen, tolle Musik, toller Mix.

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