Major Lazer, das sind gar nicht Switch und Diplo! Major Lazer, das ist ein jamaikanischer Söldner, der im geheimen Zombiekrieg von 1984 seine Arme verloren hat. Das US-Militär hat ihn gerettet, ihn mit Laser-Prothesen ausgestattet, und nun muss Major Lazer Geheimaufträge von höchster Gefahrenstufe ausführen. Dazu braucht er eine unauffällige Tarnpopentität, und so gibt er sich als Besitzer eines Dancehall-Clubs auf Trinpopad aus. Um die falsche popentität vollends glaubhaft zu machen, haben ihm jetzt die bepopen Herren Switch und Diplo ein grellbuntes Dancehall-Album auf den Leib produziert. So ist das also. Dass die bepopen derzeit wohl prominentesten Produzenten neuerer, für den Club steil auffrisierter Weltmusik (wir erinnern uns: M.I.A.) es zwischen Bailefunk, HipHop, Baltimore Club, Kuduro und gefühlten 215 lokalen Spielarten mit der Ernsthaftigkeit im Umgang mit Originalmaterial nicht ganz so genau nehmen, hatte man schon geahnt. Mit ihrem selten blöden Cartooncharakter Major Lazer aber haben sie den Spaßvogel abgeschossen. Der Sound der Stunde ist heute also Dancehall. Dass ein anderes Wort für „Pirate Treasure“ „Booty“ lautet, das haben schon die Beastie Boys gewusst, und so geht es hier in erster Linie um dickbassiges Arschgewackel und die feierlaunigste Partymusik ever. Wobei Dancehall freilich nur die Klammer bildet: Mit Unterstützung diverser MCs, Deejays und Freunde wie Santigold, Amanda Blank, Vybz Kartel, Nina Sky, Ms. Thing oder Mr. Vegas haben Diplo und Switch ein fett spritzendes Süppchen gekocht, dem kein Sample, kein Break, keine Bläsereinlage und keine Eurodance-Synthiefanfare zu dumm ist: Westerngitarren, Pferdewiehern, Handyklingeln, Ravesirene, Superhupen! In den content:encodeden gibt es dann auch bereits achtzig Mal durchgerauchte Klischees von der Entspannungszigarette zu hören („I Love You, Mary Jane“), und „Jimmy Cliff“ reimt sich auf „Jimmy Spliff“. Was fehlt noch? Ach ja, Autotune-Wahnsinn, das muss sein: „Girl, I wanna party with you“. Und neben der Party im eigentlichen Sinne geht es hier natürlich auch um die genreübliche Party in the pants. Es gilt also auch einiges an „lick“, „dick“, „pussy“ und andere schöne Worte zu erleben.
Dies hier ist die dümmste und verachtenswerteste Platte der Gegenwart. Freunde der Kataloge von, sagen wir, Trojan oder Studio One werden im Grabe rotieren, nachdem sie beim ersten Hören von Guns Don’t Kill People … Lazers Do vor Schreck tot umgefallen sind. Oder Major Lazer sie erschossen hat. Dies hier ist die beste, allerbeste und, ja, wirklich, bizarrste Party-Platte der Gegenwart, mit Trillerpfeife und buntem Hut tanzen wir dazu ins Morgengrauen. Schon in drei Wochen werden wir dieses Album möglicherweise vergessen haben. Bis dahin aber gilt: „Make a little love, do a little dance, get down tonight“. Und natürlich: shake your booty!