Niko Schwind aus Berlin kennt man von Veröffentlichungen auf dem Weblabel Autism. Sein zweites, bei Stil Vor Talent erschienenes Album ist überladener Techhouse-Barock. Schwind hat Klangbibliotheken und Samplingspeicher geplündert, feuert Salven von Klängen aus dem gesamten Spektrum von House- und Loungemusik ab. Er lässt seinen Hörern keine Verschnaufpause: Trommelwirbel, Xylofone, Soulstimmen, Gitarren – alles wird aneinandergereiht und übereinander geschichtet. Einst prangerte man die Beliebigkeit an, mit der sich britische Progressivehouse-Projekte bei Strictly-Rhythm-Platten bedienten. Die Perversion von Musik dieser Art liegt darin, die Klänge auf die Bildfläche zu bitten, ihnen dann aber nie die Chance zu geben, ihre Wirkung zu entfalten. Für einen einzigen Moment werden sie zur Attraktion. Dann sind sie bereits vom nächsten Element abgelöst. Und weil in den Sounds zu viel passiert, müssen die Grooves mit ihren kreisenden Basslinien statisch bleiben. Diese Musik präsentiert einen übermäßigen Reichtum, lässt einen aber nicht daran teilhaben.