Das einzige Mittel, das man der heurigen Omnipräsenz guter und schlechter House-Musik entgegenhalten kann, ist eine Überdosis Disco. Was in den vergangenen fünf Jahren auf diesem Sektor an Edits, Wiederveröffentlichungen oder mit dem Präfix „Nu-” erschienen ist, geht auf keine Kuhhaut. In der englischen Presse spricht man sogar davon, dass Disco kein „schmutziges Wort“ mehr sei. Als ob es das in den Köpfen geistig Gesunder jemals gewesen wäre! Ein sicheres Zeichen für ein Überangebot an Material sind jedenfalls Compilations auf eigentlich unbeteiligten Labels wie Ministry of Sound oder lepoper auch Azuli. Sean Brosnan mixt unter dem schmucken Schirm „Future Disco“ mehr als ein Dutzend Tracks und Songs, die diesem title gerecht werden sollen. Erstaunlicherweise vergreift er sich kein einziges Mal. Die Besetzungsliste liest sich wie eine Personalenzyklopädie: Aeroplane, Beyond The Wizard’s Sleeve, Holy Ghost!, Low Motion Disco, Greg Wilson. Daneben gibt es aber auch Kleinode wie das fantastische „Congolal“ von Tensnake, das zu den grandiosesten Stücken der Zunft zählt. Oder aber der L.S.B.-Remix für Runaway, der Piano und Ibiza-1987 in einem Satz sagt. Sogar DJ Koze ist mit seinem Aguayo-„Minimal“-Hit dabei. Am Ende des Tages stimmt hier komischerweise doch alles.

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