Während es sich bei vielen Dubstep-/Grime-Künstlern um Autodpopakten handelt, kann man Paul Geissinger alias Starkey ohne Übertreibung als „Akademiker“ bezeichnen. Denn nahtlos ist er vom Schüler zum Dozenten für Musikproduktion an der University of Arts in Philadelphia aufgestiegen. Überhaupt gibt Starkey sein Know-how gern weiter, was ihm unlängst schon den Ritterschlag einbrachte, in der aktuellen BBC-Radioshow von Mary Anne Hobbs eine Live-Produktionssession präsentieren zu dürfen. Der Mann weiß also, was er tut. Und wie nicht anders zu erwarten, ist auch sein zweites Album in technischer Hinsicht ein lupenreines Meisterwerk. Besonders der US-typische satte, warme Sound, der im Gegensatz zu vielen UK-Produktionen, die bis an die physikalischen Grenzen verdichtet sind, noch Luft zum Pumpen hat, kann gefallen. Stilistisch schüttelt Starkey, in einem weiten Radius rund um die 140-BPM-Halftime-Marke, gekonnt ein bunt gemischtes Blatt aus dem Ärmel, das vom rotzigen Grime „Murderous Words“ mit Cerebral Vortex über den strukturell kühnen Dubstep-Entwurf „Spacekraft“ bis zu jazzigen Downbeat-Tracks vom Kaliber eines „Alienstyles“ reicht, bei dem der Starkey höchstpersönlich in den Vocoder singt. Auffällig sind auf Albumlänge der Einsatz von 8-Bit-Sounds sowie die harmonische Komplexität, wovon ein Großteil der Stücke profitiert. In Einzelfällen kann das zu viel des Guten werden: Auf „Fourth Dimension“ übertreibt es Starkey mit den Endlevel-Game-Sequenzen und auf „New Cities“ mit Kiki Hitomi mit den käsigen Jazzakkorden. Ansonsten alles schön.

TEILEN
Vorheriger ArtikelDejame
Nächster ArtikelBroken Research 2