Shlomi Aber aus Tel Aviv gehört zu den wenigen gegenwärtig aktiven Techno- und Houseproduzenten, die einen radikal eigenständigen Sound entwickelt haben. Wie Guy Gerber verfeinert er das Klangspektrum der Clubmusik, gewinnt ihr zahllose neue Nuancen ab. In seinem Opus Magnum von 2007, State Of No One, bezog er seine musikalischen Entdeckungen auf die elektronische Musik jenseits des Dancefloors. Das neue Album kreist um die Geschichte von Techno und House. Der title könnte das Vorhaben nicht direkter benennen: Auf Chicago Days, Detroit Nights setzt sich Aber mit der Clubmusik der neunziger Jahre auseinander, die er im Nachtleben Tel Avivs kennen gelernt hat. An Chicago-House interessieren ihn besonders die von Hi-Hats gedeckelten Grooves, welche die stilbildende explosive Spannung erzeugen. An Detroit-Techno faszinieren ihn die Melodien, die Flächenlandschaften. Die detroitigen Flächen sind bei Aber jedoch mehr als ein einzelnes Element. Mit komplexen Halleffekten arbeitet er sie zu einem Echoraum aus, in den er die kompletten Stücke bettet. In diese mal hauchartig zarte, mal betörend mächtige Grundierung setzt er die hämmernden Chicago-Grooves, die so eine überwältigende, ravige Euphorie entwickeln. Ein Rätsel bleibt allein, warum er den Detroit-Sound mit Nacht assoziiert und Chicago-House mit Tag.

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