Ein dreckig verzerrtes Störgeräusch. Darüber purzeln kurz weiche Töne, ähnlich denen eines Xylofons. Dann setzt die zentrale Basstrommel ein, dazu ein stoischer Basslauf. Später breite, verhallte Akkorde. Und schon ist man mittendrin im neuen Album von Niederflur, der ersten Veröffentlichung für das eigens gegründete Label Niederflur Tracks. Und man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Denn hier läuft Techno, der auf alle nötigen Funktionselemente reduziert ist. Destillierter Groove, der in die Beine geht. Weniger ist mehr, und Niederflur scheinen dieses Prinzip inhaliert zu haben. Die Tracks sind trocken und druckvoll, die Tieffrequenzen mächtig. Das gesamte Album besticht durch ein sehr dichtes Klangbild, alles hat hier seinen Platz. Kein Sound fällt aus der Rolle, nichts wirkt wie nur irgendwie gewollt. Alles greift perfekt ineinander. So entfalten sich die besten Momente, wenn der sonst dominante 4/4-Takt gebrochen wird. Beispielsweise in „Integral“, einem Electro-Dubstep-Hybrpop, der Autechre alle Ehre machen würde. Ebenso „Prisma“, ein organischer Klangkosmos, metallisch, aber weiträumig. Gegen Ende wird’s dann immer zwingender: „Quellstrom“ und „Feldstärke“, zwei absolut brillante, rohe Nummern, deren definitive Stärke in dem reduzierten Tempo liegt. Niederflur ziehen einen an und lassen dann nicht mehr los.

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