Wie alt sind die Typen von Tortoise eigentlich inzwischen? Zwischen Ende dreißig und Anfang fünfzig vermutlich. Und so muss man das, was sie auf ihrem sechsten Album veranstalten, dem ersten seit 2004, wohl fast schon als Resultat von Alterswildheit bezeichnen. Denn das wieder rein instrumentale Beacons Of Ancestorship ist über weite Strecken ein enthemmt wummerndes, fiepsendes, röhrendes Etwas, weitaus aufmüpfiger als ihre frühen Werke, die introspektiven Postrock-Meditationen Millions Now Living Will Never Die oder TNT, zu deren Veröffentlichungszeit John Herndon, Doug McCombs, John McEntire und ihre Kollegen ja noch vergleichsweise junge Kerle waren. Natürlich ist auch diese Platte wieder eine Enzyklopädie von Stilen, von Steppen-Bluegrass über Dub-Freakouts, Fuzzrock-Geschwirre und Spacerock-Genudel bis zu Techno-Motorik, und diese Stile amalgamiert die Band wieder zu etwas Eigenem, Neuen, das klingt wie nichts anderes. Nur geht sie dabei jetzt mit verzerrten Bässen, Punk-Geklopppe und auch mal elegischen Disco-Keyboardsoli weitaus exzessiver und ruppiger zu Werke als früher. Diese Platte enthält damit nicht nur wieder gänzlich neue Musik, sondern auch eine ordentliche Ladung Zorn und Energie. Und das tut gut.

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