Irgendwie scheint Turzi mitsamt ihrem Debüt A völlig an mir vorbeigegangen zu sein, was sich jetzt, da mir das Nachfolgealbum B im Ohr klingt, als höchst bedauernswert herausstellt. Jedenfalls bot sich mir seit langem kein derart gelungener Hybrpop krautiger Psychedelik und indierockiger Rotzigkeit, der dann aber auch wirklich nichts gemein hat mit den traurigen Gestalten, die dieser Tage meist das Feld von Indierock bevölkern. Keine ausgeleierten Konsenszitate, keine bemühten Popgefälligkeiten. Stattdessen beweist sich Turzi als Band, die gesetzte Wiederholungsstrukturen auch mal auszuhalten in der Lage ist. Die Halluzination ergibt sich dann bekanntlich von ganz allein, und am Ende kann man sich schließlich auf das alles überflutende Reiz-Reaktions-Schema von Shoegaze verlassen. Unverschämt noisig bretternde Gitarren wie in „Bombay“ korrespondieren hier problemlos mit filmisch anmutenden Electronica-Entwürfen („Buenos Aires“) oder psychedelisch umnebelter Desertrock-Referenz. Jedes Stück auf seine Art ein kleiner Hit. Bob Gillespie erklärte sich entsprechend spontan dazu bereit, den Gesangspart auf „Baltimore“ zu übernehmen, um so das Album um eine veritable Hymne zu bereichern. Auch trotz der fragwürdigen Aneinanderreihung von Rock’n’Roll-Gewalt im zugehörigen Vpopeo. Abgesehen davon markiert B die erfreulichste Entdeckung an der Schnittstelle von Indie und Tronics seit einer gefühlten Ewigkeit. Ein verdammt großes Album.

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