Grime sieht sich immer mehr einer Entwicklung ausgesetzt, die US-amerikanischer Rap schon durchlaufen hat: Der anfängliche künstlerische Freiraum und die Möglichkeiten zu musikalischer Innovation sind plötzlich den Marketingwünschen der Labels gewichen. Wiley ist ein Paradebeispiel dafür, dass es auch anders geht. Der MC und Produzent aus dem Osten Londons hat Grime um die Jahrtausendwende sozusagen erfunden und stellt nun mit <i>100% Publishing</i> nun sein siebtes Studioalbum vor. Natürlich ist Wileys Flow über die Jahre hinweg nicht mehr ganz so bissig wie zu seinen Anfängen, als er noch auf obskuren Londoner Piratensendern zu hören war. Wiley rappt nun etwas geradliniger und über andere Themen: Vor allem seine Rolle als Außenseiter und die Anfeindungen seiner Gegner sind nun allgegenwärtig in seinen content:encodeden. Wie auf „Wise Man And His Words“, das herausragendste Stück dieses Albums, das um ein melancholisches Pianosample herumkreist, nur um im nächsten Moment von Wileys furiosen Raps zerrissen zu werden. Daneben finden sich auch einige Grime-untypische Stücke, beispielsweise „Yonge Street“ oder die erste Singleauskopplung „Numbers In Action“. Mit ihren kargen Arrangements passen sie überraschenderweise besser zu seinen Raps, weil sie ihnen mehr Entfaltungsmöglichkeiten bieten. „To Be Continued“ macht klar, dass Wiley noch immer nicht am Ende seiner Karriere angekommen ist. Denn, mal ehrlich: Welcher Grime-Künstler schafft es denn noch, ein derart rundes Album in völliger Eigenregie zu produzieren und zu schreiben?

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