Immer wieder schön: der Mythos Techno. Diesmal neu aufgearbeitet von dem bisher kaum beachteten Belgier Peter van Hoesen. „Bisher“, denn schon das Intro betört mit Gefühl und Verführung, schleift sich einen zart rauschenden Raum zurecht und gibt durch die stauberfüllten Maschinenwinde den verwehten Klang einer formlosen Musik aus weiter Ferne wieder. Wenn dann durch den Sturm der Staubpartikel hindurch der Puls des Titanen einsetzt, mag man anerkennen, dass hier ein fulminanter Auftakt gelungen ist. Gut, durch die zahlreichen Veröffentlichungen, die sich in letzter Zeit an der Störfrequenz vergingen, wurde ja bereits mehr als offensichtlich, dass nicht alles, was rauscht, auch nach Basic Channel klingen muss. In diesem Fall allerdings erscheint ein Verweis auf die Familienzugehörigkeit nicht nur angebracht, sondern bringt auch das gute Gewissen mit sich, damit niemandem Unrecht zu tun. Der Belgier muss sich jedenfalls in keiner Weise vor Vergleichen scheuen, steht bei Entropic City doch spätestens nach „Terminal“, dem fünften Stück der Platte, fest, dass mit diesem Album ein moderner Klassiker des Genres erschienen ist.

Völlig autark in seiner Ästhetik, regiert van Hoesen nicht ausschließlich über die kompromisslose Schlagkraft der Bassdrum, sondern generiert die wahrhaft monumentalen Momente seines einstündigen Epos’ in den Augenblicken gedankenvollen Innehaltens, die von fließenden Ambientcontent:encodeduren getragen werden. Von solch kontemplativen Stücken still rauschender Anmut geht es über Techstep-Entwürfe („Colony/Return Of The Object“ – was für ein Titel auch) bis zum dubbigen Pfad von Industrialtechno, der nach seiner Blüte Mitte der Neunziger derzeit wieder eine Renaissance erlebt. Van Hoesen breitet ein reichhaltiges Spektrum futuristischer Maschinenmusik vor uns aus, die ihre ureigene Sprache sprechen darf. Eine Sprache magischer Beschwörungen, deren meditativer Duktus eine andere Perspektive lehrt, die den Hörer in die Irrungen des Subjektiven wirft, umgeben von ephemeren Melodiefragmenten, die er unter dem omnipräsenten Zischen und Donnern kaum zu fassen in der Lage ist. Jeder Track wie ein nur unvollendet in den Fels gehauener Gefangener, roh und ungemeißelt und doch voll bewegter Kraft aus dem Gestein drängend.

Doch trotz des massiven Eindrucks scheint sich alles gleichsam zu entziehen, wird jede Form verdeckt von immer einer weiteren Schicht, einem weiteren dicht gewebten Schleier geheimnisvoller Klänge. Sie erzeugen eine eigentümliche Distanz, die das gesamte Album aufrechterhalten bleibt. Was hier in Worten ausgedrückt seltsam gewaltig und kryptisch anmutet, wächst mit jedem erneuten Durchhören zu der Erkenntnis, dass die Ästhetik von Post-Motorcity mittlerweile zu einer eigenen Weisheit gefunden hat. Nah an dem, wovon im vergangenen Jahr in einem Sample auf Sheds Album die Rede war: „True Techno Music“.