Was ist denn mit Autechre los? Nach all den hochgeistig-mathematischen Elaboraten der letzten Alben finden sie hier tatsächlich – wer hätte es geahnt – zu ihrer eigentlichen Stärke zurück. Und die heißt: Melodien, und davon nicht zu knapp. Teilweise erscheint es bei den zu zwei Dritteln des Albums fast vollkommen ohne Beats auskommenden Tracks, als stünde man unter einem erquickenden Wasserfall von ineinander verschachtelten harmonischen Tonfolgen. Ambient ist das dennoch nicht wirklich, rhythmisch die Musik durchaus, doch eben weit weniger verkopft, viel zugänglicher als auf ihren letzten Werken. Das erinnert teilweise an verwobene Folkmelodien, dann wieder könnte man es futuristischen Barock nennen. Und wenn dann doch mal Beat-Pattern durchkommen, so sind es eher gerade, treibende Electro- oder HipHop-Rhythmen, die dominieren. Und dazwischen wird Klangforschung der aufregendsten Art betrieben, intellektuell und dennoch zugänglich. Somit für mich das überraschendste und spannendste Autechre-Album seit, ja, annähernd Jahrzehnten. Man könnte fast sagen: Tri Repetae 2.0.