Wenn dieser Tage die verstärkte Anbandelung von Klassik und Techno auffällig wird, darf ein junger, viel gerühmter Pianist nicht fehlen: Der 27-jährige Luxemburger Francesco Tristano Schlimé. Zollte er auf seinem letzten Album Not For Piano noch Technoklassikern wie „Strings Of Life“ und „The Bells“ Respekt, indem er sie als zeitgenössische Klaviermusik interpretierte, so hat er mit Auricle Bio On einen ganz eigenen Hybriden geschaffen, bei dem nicht mehr ersichtlich ist, welchem der beiden Genres er sich zuallererst zugehörig fühlt. Auricle Bio On besteht nur aus zwei Stücken, beide sind dafür aber rund 25 Minuten lang. Es sind ausgiebige sonische Exkursionen. Erstere entwickelt sich sukzessive aus verhallten und stählernen Sounds samt Pianoloops zu einem experimentellen Technostück mit satter Bassdrum und peitschender Snare. Das zweite Stück knüpft direkt dort an, mit noch mehr extraterrestrischen Klängen, die sich in noch größeren Echokammern reflektieren – spätestens hier wird der letzte Schliff von Moritz von Oswald an Auricle Bio On hör- und fühlbar. Diese Platte ist sowohl für den normalen Clubgänger als auch den Abonnenten der Carnegie Hall ein Wagnis. Aber eines, das einzugehen sich lohnt.