Kein Produzent hat Aphex Twins Klangformel so unmittelbar aufgenommen und zugleich so entschieden weiter entwickelt wie Christopher Stephen Clark: die Kombination von ultraavancierten, avantgardistischen Beats mit Melodien, die als abstrakte elektronische Sounds funktionieren und zugleich eine emotionale Ebene haben. Auf Clarks neuem Album erklingen im Vergleich zum Vorgänger überraschend oft Techno-Beats, deren scharfer Funk ebenso an das letzte LFO-Album wie an Tracks von Cristian Vogel oder an Stücke von Tube Jerk erinnert. Das Variationsspektrum ist auch jenseits der Beats extrem: Die einzelnen Stücke haben völlig unterschiedliche Klangarchitekturen. Und auch innerhalb der Tracks gibt es extreme Brüche. Wie wenigen gelingt es Clark, die elektronische Clubmusik an einen Punkt zu bringen, an dem sich die repetitiven Strukturen in einzelne Klangereignisse auflösen. Nirgendwo wird die Spannung zwischen mitreißenden Grooves und singulären Noise-Dronen rückhaltloser zur Explosion gebracht. Nicht zu verstehen ist aber, warum Turning Dragon einen düsteren Industrial-Unterton hat, warum radikale Musik ernst und humorlos klingen muss. Dennoch: eins der spannendsten Alben des jungen Jahres.