„Technomacht gegen Popschnörkel“, könnte das Motto von Alter Egos neuem Album lauten. Auf Why Not?! schmeißen sich Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke jedenfalls mit Sirenen und Geknarze ins Getümmel von NuRave. Dabei entwickeln sie auch eine Antithese zum Hype: Einerseits distanzieren sie sich vom NuRave-Spektakel, weil ihre Sirenen eine ähnlich ironische Note haben wie das Gequietsche in Roman Flügels „Geht’s Noch?“. Anderseits setzen sie einem popmäßig optimierten Rave-Sound à la Digitalism ein klassisches Technoverständnis entgegen: Mit ihren von den Grooves und Arrangement entkoppelten Sounds erinnern die Tracks an die hardwarebasierten Produktionen der frühen Tage. Diese Loslösung gibt den Sounds einen isolierten, unabhängigen Impact, der mit einem durcharrangierten, poporientierteren Produktionsstil nicht zu erreichen ist. Alles klingt sehr spontan herausgehauen, es gibt keine Lagen, die die einzelnen Spuren vereinheitlichen, keine homogenisierende Effektsauce. Why Not?! ist ein Manifest gegen drei gegenwärtig die Clubmusik heimsuchenden Übel: ihre technische Hochrüstung, die Orientierung an Popstandards und ihre tendenziell trancige oder deephousige Verkitschung. Rave heißt das von Alter Ego gewählte Gegengift – und dazu gehören alle denkbaren Flachheiten und Albernheiten. Denn wenn man den Sounds zu viel Würde und Schönheit zugesteht, werden sie zu edlen Fetischen.