Der Name Trentemøller stand bisher für eine besonders fette Spielart von funky Minimalismus. Ein Sound, der die Tanzflächen hemmungslos rockt und zu diesem Zweck auch nicht vor offensichtlichen Effekten zurückschreckt. Gleichzeitig sind Trentemøllers Tracks aber auch extrem erfindungsreich und detailverliebt, haben eine Tiefe jenseits reiner Funktionalität. Für sein Debütalbum geht der dänische Produzent allerdings einen ganz anderen Weg. The Last Resort ist nicht das heutzutage handelsübliche straighte Dancefloor-Abum mit Ambient-Ruhepolen geworden. Anders Trentemøller ist auch nicht den Schritt in Richtung Dancefloor-Pop gegangen, den man vielleicht von ihm erwartet hätte. Die zwei überirdischen Vocal-Tracks, die er mit Richard Davis und Ane Trolle aufgenommen hat, finden sich auf der limitierten Bonus-CD (die zusätzlich seine bisherigen Singles versammelt) wieder. Vom Album hat er sie verbannt, da sie seiner Meinung nach den Fluss der rein instrumentalen Platte gestört hätten. Stattdessen verwendete er die gesangsfreien Versionen. Und man kann ihm nur Recht geben. The Last Resort ist ein so ausladend atmosphärisches, nahezu unwirkliches Album, dass selbst zurückhaltende Stimmen wie die von Davis und Trolle von der Reichhaltigkeit der Arrangements abgelenkt hätten.

The Last Resort ist traumhaft in seiner Mixtur aus Dub-Tech, Shoegazing-Ambient und klickender Soundmalerei. Das Händchen für Atmosphären und Dramatik, das Trentemøller schon auf seinen bisherigen Arbeiten gezeigt hat, kommt – befreit vom Dancefloor-Diktat – voll zum Tragen. Trentemøller ergänzt seinen Maschinenpark derart geschickt um handgespieltes Instrumentarium (neben Gitarre, Schlagzeug und Bass kommen noch Exoten wie Celesta, Glockenspiel und Musicbox zum Einsatz), dass die Unterschepopung der Soundquellen unsinnig wird. The Last Resort ist organisch, alles ist ineinander verwoben und von einer Dichte und Detailversessenheit, die erstaunt.

Das Album nimmt einen mit auf eine Reise, die immer tiefer in den nebligen Herbstwald führt, der das Cover ziert. Dort erwarten einen flirrende Soundschwaden, subsonische Bässe und trippige Beats, unheimlich und schön zugleich. Je weiter das Album fortschreitet, desto weniger gibt der Beat – wiewohl er nie ganz verschwindet – die Stimmung vor und desto mehr hat The Last Resort etwas von einem Soundtrack für selbstvergessene Tage. Stücke wie „Like Two Strangers“ klingen, als hätten sich die frühen Ambient-Arbeiten eines Brian Eno mit den ruhigeren Momenten eines Mogwai-Stückes gekreuzt. Auf dem weitgehend beatfreien „The Very Last Resort“ verschränken sich eine schnell gezupfte akustische Gitarre und ein Ry-Cooder-mäßiger Western-Twang zu irregulären Bässen und Dub-Effekten. Aber keine Angst: Vor der Falle der Beschaulichkeit rettet Trentemøller das Gespür für den Moment, an dem es Zeit ist, den Beat wieder reinzudrehen.