Dieser Film des Regisseurs Gary Bredow ist sozusagen das Gegenstück zu den sehr schönen Szene-Momentaufnahmen des deutschen Dokumentarfilms Feiern. Denn wo der in vielen Interviews die Technoanwender aus der Tochterstadt Berlin fragt, wie sie diese Musik leben, fragt High Tech Soul in vielen Interviews dasselbe die Technoerfinder aus der Mutterstadt Detroit. Dabei kommen nicht nur die Belleville Three zu Wort, sondern auch die nachfolgende Generation, unter anderem Eddie Flashin Fowlkes, Stacey Pullen, Blake Baxter, Anthony Shake Shakir, Jeff Mills oder Kenny Larkin, die offensichtlich fast alle fleißige Fitnessstudiokunden sind. Dazu gesellen sich John Acquaviva, der immer noch die alte Brille von Richie Hawtin aufträgt, sowie mit old-school-maskierten Gesichtern auch der Radio-DJ The Electrifying Mojo und die Gruppe Scan 7. Und diese Zusatzinformationen zum Äußeren der Befragten zeigen auch schon den großen Wert dieses Films. Zwar sucht er brav in der De-Urbanisierungspolitik, die die USA nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgten, in Kraftwerk und in Alvin Tofflers „Future Shock“ nach den Ursprüngen von Techno. Aber so richtig nachvollziehbar wird die Entwicklung nicht. Und für bereits Interessierte sind auch keine wirklich neuen Fakten enthalten. Aber: Der Film macht die Menschen hinter dieser Musik als solche erfahrbar, zeigt Stimmen, Mimik, Gesten – zum Beispiel den coolen, aber kaputten Juan Atkins, den großmäuligen, aber intelligenten Derrick May, den leutseligen Kevin Saunderson oder den Klassenclown Eddie Flashin Fowlkes. Und betont damit nebenbei noch mal, dass Techno in seinem Ursprung eine afroamerikanische Musik ist, was besonders im Kontrast zur neuesten Detroit-Generation, den weißen Collegeboys von Ghostly, ziemlich deutlich auffällt. Und wenn dann in den herausgeschnittenen Szenen die Befragten noch unter anderem über Paul Oakenfold, Richie Hawtin, Boy George oder Moby ablästern, dann ist dieser Film endgültig ein Fall für die Techno-„Gala“. Und zwar ein ziemlich erhellender und unterhaltsamer.